Viele Traditionen . . .

. . . und Bräuche verschwinden aus unserem gesellschaftlichen Zusammenleben oder werden mehr oder weniger gedankenlos geopfert. Vielerorts werden christliche Weihnachtsfeiern zu meteorologischen Winterfesten umfunktioniert; Martini wird zu einem “Lichterfest“ mit beliebigem Bezug. Und wenn sich ein “Event“ auch nur einmal wiederholt, wird es mit dem maßlos strapazierten Begriff “Kult“ ausgezeichnet - allerdings muß es nächsten Mal aber auch  schon wieder etwas Neues sein, weil es sonst ja langweilig werden könnte.

Heute fragen sich viele, ob das Erntedankfest als weltweit ältestes Fest noch zeitgemäß ist. Und danken - wofür denn? Viele  kennen Obst und Gemüse oft nur noch in Hülle und Fülle aus dem Supermarkt - an der Frischtheke, als Konserve, Marmelade oder tiefgefroren. Dort wird das Nötige gegen harte Euro gekauft, der Tisch des Wohlstandes ist ganzjährig gedeckt. Einige wissen gerade noch, daß Obst an Büschen und Bäumen wächst, Getreide und Gemüse auf dem Feld und über einen Mangel an Nahrungsmitteln kann sich kaum noch jemand beklagen. Witterungsbedingte Ernteausfälle werden über weltweite Handelsbeziehungen ersetzt und fallen den Konsumenten nur noch auf, wenn dann die Preise für einige Waren mal ansteigen - in gewisser Weise wird die Ernte und die Landwirtschaft dann, wenn auch nur indirekt, geschätzt.

Andererseits werden Ernteüberschüsse nicht an Arme und Hungernde verschenkt, sondern untergepflügt oder vernichtet, um die Marktpreise zu halten - obwohl viele Millionen Menschen auf unserem Globus hungern. "Unser täglich Brot gib uns heute!" - darum bitten viele schon lange nicht mehr, denn es ist ja im Überfluß vorhanden. Im günstigsten Fall werden überschüssige Lebensmittel an "Tafeln", die die Armut eher bestätigen, statt sie zu bekämpfen, verschenkt. Ja, diese Armut gibt es auf Grund von politisch gesetzten Rahmenbedingungen leider auch in unserem "reichen" Wirtschaftswunderland für immer mehr Rentner, gering verdienende Arbeitnehmer und Arbeitslose, die am Rande des Existenzminimums leben. Somit ist also das Erntedankfest nicht überflüssig und unzeitgemäß geworden. Es kann ein Zeichen gegen die Gedankenlosigkeit sein, mit der man sich heute ganz selbstverständlich in den Regalen der Supermärkte bedient.

Wie schön, dass sich diese Tradition in Visquard steigender Beliebtheit erfreut. Bereits am 27. September 2018 hatten die Arche-Kirche Obst, Gemüse und Getreideähren gesammelt und unter der Kanzel der Visquarder Kirche werden dekorativ mit einem Wagenrad und Strohballen zu einem kleinen Kunstwerk arrangiert und warteten darauf , von der Gemeinde bestaunt zu werden.

Das Erntedankfest begann am Sonntag mit einem Gottesdienst der Generationen unter Mitwirkung des Kindergartens, des Posaunenchores und des Organisten. Hinterher gab es im Gemeindesaal ein Picknick aus salzig und süß, für das die Kindergarten-Eltern und der Frauenkreis die Speisen liebevoll zubereitet hatten. Mit 110 eingedeckten Plätzen brach der Saal aus allen Nähten. Jung und Alt waren fröhlich beieinander und mehr als 200 Tassen Kaffee wurden ausgeschenkt. Das soll in dieser Form im nächsten Jahr wiederholt werden – vielleicht eine kleine neue Tradition beim ältesten Fest der Menschheit . . . 

Nach einer kurzen Einweisung . . .

. . . wird die Ernte eingefahren,

Dabei kommen alle Transportmittel . . .

. . . zum Einsatz.

Alles vorbereitet . . .

. . . für das Erntedankfest.

Am Erntedanktag nach der Kirche im Gemeindesaal.

Die Vorbereitung im Gemeindesaal . . .

. . . läuft auf Hochtouren.

Die Tische sind geschmückt . . .

. . . . schließlich "isst das Auge mit".

Erntedankfeier der Generationen im Gemeindesaal.